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Lebensziele

Ein Beitrag von Bernd erstellt am 29.06.2009   

Feature am 30.06.09 auf DRadio Kultur: Mach es morgen

"Das kann ich auch später machen. Oder morgen. Falls dann überhaupt noch etwas daraus wird. Das fortgesetzte Aufschiebenwollen kann im Verfehlen wichtiger Lebensziele enden."


Das Verfehlen wichtiger Lebensziele! Was soll das sein? Was ist ein Lebensziel? Gibt es nur eins? In der Ankündigung des Radiobeitrages werden Lebensziele genannt. Wieviel sind es? 2, 5, 25? Und anscheinend kann man sie verfehlen! Wer legt sie fest? Jeder einzelne oder die Gesellschaft? Ändern sie sich, sind sie von Trends abhängig? Von der Zeit, in der wir leben? Waren die Lebensziele im 19. Jahrhundert anders als die heute? Abhängig vom Ort, an dem wir leben?

Was mir als erstes einfiel, war der Blödsinn, daß ein Mann einen Sohn gezeugt, ein Haus gebaut und einen Baum gepflanzt haben muß, um als Mann zu gelten. Ist das etwa ein Lebensziel? Dann wäre es wohl auch eins, das Schalke 04 Fußballmeister wird. Man kann dazu nämlich genauso viel beitragen wie für die Zeugung eines Sohnes.

Und was macht denn anschließend diese Zierde unseres Geschlechts, wenn er das vollbracht hat? Lehnt er sich in seinem Sessel zurück, läßt sich ein Bier bringen und ärgert sich, daß er nicht so oft die Möglichkeit hat, Nachmittagsshows im Privatfernsehen zu schauen? Oder bringt er sich um, weil er sein Lebensziel erreicht hat? Warum also noch weiterleben?

Natürlich macht das niemand. RTL würde Insolvenz anmelden.

Spaß (wirklich Spaß?) beiseite!

Steckt sich jemand wirklich Lebensziele und arbeitet sie ab?


29. Juni 2009

Bernd






 




Kommentar von Bernhard zuletzt gesendet am 30.06.2009 15:51:17   

Lebensziele sind die Ziele die Sie erreichen wollen und nachdem Sie sagen können: “Ich habe all das was ich unbedingt in meinem Leben erreichen wollte erreicht, ich habe meine Träume und Phantasien Wirklichkeit werden lassen, mein Leben hatte einen Sinn und mein Leben erfüllt mich mit Glück und tiefster Zufriedenheit”.

So habe ich das neulich irgendwo im Internet lesen können.

Brauche ich ein Lebensziel?

Vor einigen Jahren hatte ich mir einmal eine Liste mit Dingen gemacht, die ich schon immer mal erleben wollte. Diese Liste kann ich heute vollständig als erledigt abhaken. Das Schönste daran ist, dass ich die Erfüllung dieser Träume und Phantasien auch noch sehr bewusst als die Erfüllung dieser erleben durfte. Ich konnte also doppelt genießen, einmal das Erlebte und einmal die Erfüllung eines Ziels. Hätte ich ohne Ziele diese Erlebnisse auch so intensiv spüren können? Sicherlich nicht.

Was mache ich, wenn ich mein "Lebensziel" erreicht habe?

Als es endlich soweit war, dass ich das Erreichen meiner Ziele erleben durfte, hatte ich nach einigen Tagen das Gefühl in ein tiefes Loch zu fallen. Mir war es wirklich so, dass ich mir sagte, wenn ich jetzt sterben sollte, würde es mir nichts mehr ausmachen. Sollte ich jetzt aufhören zu leben?

Was soll ich ohne Ziele machen?

Einige Wochen später lebe ich immer noch. Ich bin aus diesem Loch wieder an den Rand des Kraters Hoch geklettert und habe mir während dessen Gedanken über mein weiteres Leben gemacht. Ein neues Ziel hatte ich in dieser Zeit nicht gefunden, manchmal war ich nahe dran, aber als richtiges Ziel erschien mir der neue Gedanke noch nicht. Seit dem stocher ich noch in einem zähen Nebel herum. Ich stelle mir die Frage, ob ich überhaupt ein neues Ziel brauche, kann ich nicht einfach mit dem Erreichten weiterleben? Ganz bestimmt werde ich das eine oder andere erreichte Ziel festigen und weiter ausbauen, aber etwas vollkommen Neues? Damit tue ich mir derzeit sehr schwer.

Wie geht Ihr mit erreichten "Lebenszielen" um?

Wunstorf, 30. Juni 2009

Bernhard


     


Kommentar von Bernd zuletzt gesendet am 17.07.2009 21:01:01   

So unterschiedlich kann das Leben oder die Lebensplanung sein.

Bernhard hatte also Ziele, die er unbedingt verwirklichen wollte und die er auch erreicht hat. Schön für ihn, aber vielleicht auch nicht schön, weil der Weg ist das Ziel? (Siehe einen Beitrag aus grauer Vergangenheit dieses Forums)

Am vergangenen Wochenende hörten Bernhard und ich auf einem Straßenfest in Frankfurt die Unterhaltung zweier Männer unfreiwillig mit. Einmal, weil kein anderer Platz an einem Stehtisch frei war und andererseits, weil sie sehr laut sprachen.
Sie protzten dermaßen mit ihren Urlauben, ihren Dienstreisen, ihren tollen Projekten, daß wir beide sofort an die Werbung erinnert wurden, wo zwei Männer im Wettstreit sind: Mein Auto, mein Haus, mein Boot!

Materielle Dinge als Lebensziel? Das wäre doch wirklich traurig!


17. Juli 2009

Bernd


     



 









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