Altern, der Blick auf die Einbahnstraße
Ein Beitrag von
Bernd erstellt
am 25.07.2009
"Das Alter, dieser Räuber und Mörder. Und eines Tages kommt es herein. Mit geschwärztem Gesicht. Reißt Dir mit beiden Händen die Mähne vom Kopf, schlägt Dir mit der Faust die Zähne ein, stiehlt Dir das Licht aus den Augen und die Töne aus den Ohren und den guten Geschmack der Speisen aus dem Magen..."
( Sándor Márai: Wandlungen einer Ehe)
Als ich das heute las, hat es mir doch sehr zu denken gegeben. Natürlich weiß jeder Mensch, daß das Leben endlich ist, aber irgendwann kommt der Moment, wo man zum ersten Mal erkennt, daß man älter wird. Und zwar nicht älter in dem Sinn, daß jedes Jahr eine Kerze mehr auf der Torte steht, bis man sich auf eine symbolische Kerze einigt, weil sonst keine Torte mehr zu sehen ist. Sondern schon so, daß man das Leben als eine Einbahnstraße erkennt, in die man längst eingebogen ist.
Mein Radiosender Deutschlandradio Kultur brachte vor ein Paar Tagen einen Bericht, nachdem der biologische Alterungsprozeß so verlangsamt werden kann, daß ein Lebensalter von etwa 120 Jahren erreicht werden kann. Das wurde durchaus kontrovers diskutiert, wobei die Mehrzahl der Hörer, die sich an der Diskussion beteiligt haben, so ein hohes Lebensalter nicht als Maxime ansahen. Sie hatten zum Beispiel Angst, daß das Leben nur durch Technik, durch noch bessere lebenserhaltende Maschinen verlängert wird. Länger Leben ohne Lebensqualität, das wollten eigentlich alle nicht.
Klagen ist allerdings nicht mein Anlaß für diesen Beitrag. Das ist ohnehin nicht meine Auffassung vom Leben. Ich finde es nur wichtig, dem unausweichlichen ins Auge zu sehen. Wie hat es Andreas Vitásek so schön formuliert: "Niemand über 40 ist gesund, nur schlecht untersucht." In meinem Alter kann man schon sehr schmunzeln über diesen Spruch, bin ich doch mehr als ein Lebensjahrzehnt darüber hinaus.
Wie gehen wir also damit um, mit diesem Prozeß im Körper, der nicht umzukehren ist? Verdrängen wir es? Kleine Anzeichen ignorieren? Vom reichhaltigen Tisch von Pflästerchen, Wässerchen, Vitaminampullen und sonstigen Wundermitteln nehmen?
Ein Mann kommt zum Arzt und möchte gern 100 Jahre alt werden. Auf die Fragen nach Tabakkosum, Alkoholverbrauch und sexuellen Aktivitäten verneint er stets vehement. Darauf der Arzt: Warum wollen Sie dann 100 Jahre alt werden?
25 Juli 2009
Bernd
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