Philosophie - durchaus ernst gemeinte Gedanken
  Anmelden   Benutzereinstellungen Navigationslinks überspringen
Beiträge
Philosophie-Start
Photo-Art
Lyrik + Prosa
ComSport
Impressum
  Please log in

Müßiggang - Laster oder erstrebenswertes Ziel?

Ein Beitrag von Bernd erstellt am 06.09.2009   

Wer kennt nicht den Spruch "Müßiggang ist aller Laster Anfang"? Das ist ja auch nicht das, was in unserer verzweifelt schnelllebigen Zeit erstrebenswert ist.

Wer nicht ständig sein Handy am Ohr oder wenigstens in der Hand hat, um kurz mal eine ganz wichtige SMS zu schreiben, ist doch kaum noch zeitgemäß. Dabei ist diese Ansicht keineswegs neu. Immer schon war man fleißig besser angesehen, als wenn man Muße zeigte, etwas zu tun, was nicht gleich als produktiv zu erkennen war.

Dabei ist Müßiggang oder Muße nicht der Faulheit gleichzusetzen. Cato dem Älteren (römischer Senator ca. 200 v. Chr.) wird der Satz zugesprochen: " Niemals ist man tätiger, als wenn man dem Anschein nach nichts tut." Muße ist die von Pflichten freie Zeit, die mit Beschaulichkeit und leichten, vergnüglichen Tätigkeiten ausgefüllt wird, aber auch die Gelegenheit und Möglichkeit, auf sich selbst zurückzukommen, die durchlebte Zeit zu reflektieren, zu verarbeiten und neue Ziele zu wählen. Und etwas für den Geist zu tun!

"Man müßte wenigstens täglich ein gutes Gedicht lesen, ein schönes Gemälde betrachten, ein sanftes Lied hören oder ein herzliches Wort mit einem Freunde reden, um auch den schöneren, ich möchte sagen, den menschlicheren Teil unseres Wesens zu bilden." Heinrich von Kleist

Das Zitat trifft es voll und ganz. Man kann natürlich auch das herzliche Wort mit einem Freund in ein Handy sprechen. Warum nicht? Es muß darum nicht weniger inhaltsvoll sein. Und in unserer modernen Kommunikationsgesellschaft dürfte es auch viel leichter möglich sein als noch zu Kleists Zeiten, ein Gespräch mit einem Freund zu führen.

Müßiggang oder "Muße haben" also gleichzusetzen mit der Möglichkeit, etwas für die geistige Bildung zu tun? Das könnte ihn doch für immer von der Liste der Laster streichen. Eben nicht 24 Stunden am Tag von der unermüdlichen Geschäftigkeit gefangen zu sein, vor der Sören Kierkegaard schon im 19. Jahrhundert warnte, sie schließe den Menschen aus der Welt des Geistes aus und stelle ihn auf eine Stufe mit den Tieren, die instinktiv immer in Bewegung sein müssen.

Wie gehen wir also damit um?


6. September 2009

Bernd





 





 









Zurück zur letzten Seite