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Wir bin ich nicht.

Ein Beitrag von Bernhard erstellt am 08.10.2009   

Neulich bei einem Ausstellungsrundgang laß ich diese vier Worte: "Wir bin ich nicht". Rudolf Herz hatte 1998 eine Leuchtschrift gebaut, die im Treppenhaus des Frankfurter Kunstvereins hängt. Jeder Buchstabe ist aus verschiedenen alten Leuchtreklamen herausgenommen und dann zu diesen vier Worten wieder zusammen gesetzt.


AUSTELLUNGSANSICHT GEMEINSAM IN DIE ZUKUNFT IM FRANKFURTER KUNSTEVEREIN MIT INSTALLATION VON
RUDOLF HERZ: WIR BIN ICH NICHT, Foto: Norbert Miguletz, 2009 Frankfurter Kunstverein



Wir bin ich nicht: Mit dieser Aussage, entgegen allem Trend im Mainstream, verweigert sich der Künstler der Vereinnahmung durch jegliche Gruppen. Wir sind Deutschland, wir sind das Volk, wir sind Weltmeister, wir sind Opfer der Wirtschaftskriese, etc.

Wir bin ich nicht: Sollen wir uns aus der Gemeinschaft ausgrenzen? Sollen wir der Gesellschaft den Rücken kehren? Sollen wir uns fortan als Einsiedler verstecken?


Eine Botschaft, die ich für mich übersetze in: Bewahre Dir Deine Individuallität, grenze Dich von anderen ab und habe den Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Dabei ist es manchmal nicht so einfach sich zwischen Mitläufer und Einsiedler zu entscheiden. Denn um die Menschen zu verstehen und von Ihnen gehört zu werden, musst Du einer von Ihnen sein. Aber vielleicht müssen wir uns gar nicht entscheiden? Können wir beides unter einen Hut bringen? Nur wie?

Frankfurt, 8. Oktober 2009


Bernhard

 




Kommentar von Bernd zuletzt gesendet am 08.10.2009 21:43:13   

Die dämlichste aller Wir-Parolen (zumindest für mich) war "Wir sind Papst". Wobei man den Ausruf "Wir sind das Volk" hier aus den Peinlichkeiten herausnehmen sollte, spiegelt er doch den Freiheitswillen von sehr vielen Menschen wider.

Wir können jedoch weitaus tiefer anfangen als bei "Wir sind Weltmeister". Wer war noch nie im Krankenhaus und hat den wunderbaren Satz gehört: "So, jetzt wollen wir mal Fieber messen."

Aber die Aussage von Rudolf Herz könnte ich jederzeit unterschreiben. Raus aus dem Mainstream! Dabei brauchen wir uns nicht als Einsiedler verstecken. Wir sind nicht allein. Es gibt mehr "Gegendenstromschwimmer", als wir glauben (So hoffe ich jedenfalls!). Außerdem ist ein Einsiedler ein Mensch, der sich völlig in sich und in die Einsamkeit zurückzieht. Warum sollten wir uns verstecken? Im Gegenteil, wir sollten aufstehen, hervortreten!


8. Oktober 2009

Bernd







     



 









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